Die Rolle der Barmherzigkeit am Tag des Gerichts
Jakobus 2,13 ist mir heute ins Auge gefallen: „Denn das Gericht ist unbarmherzig gegen den, der keine Barmherzigkeit geübt hat; die Barmherzigkeit aber rühmt sich wider das Gericht.“
Und wie es in Hebräer 9,27 heißt: „und so gewiß den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht“
Ebenso 2. Korinther 5,10: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jeglicher empfange, was er vermittels des Leibes gewirkt hat, es sei gut oder böse.“
WIR WERDEN ALLE vor dem Richterstuhl Christi erscheinen. Davon gibt es keine Ausnahmen, und das Urteil wird entsprechend unseren Taten gefällt werden, seien sie gut oder böse. Ich weiß, dass viele Menschen ein Problem damit haben, wenn sie vom Gericht hören. „Der Glaube“, sagen sie, „hat mich gerettet, und ich werde keinem Gericht gegenüberstehen müssen.“ „Ich kann leben, wie ich will, genau wie alle anderen auch, ohne Barmherzigkeit oder Liebe für meine Mitmenschen, aber da ich ‚glaube‘, spielt das keine Rolle“, fügen sie hinzu. Doch mein Freund, es spielt sehr wohl eine Rolle! Denn ganz einfach: Glaube ohne Werke der Barmherzigkeit und Liebe ist tot, nicht existent, hohl, falsch und theoretisch. Ein solcher falscher Glaube wird niemanden retten. Paulus sagt uns das, und Jakobus sagt es uns ebenfalls:
Galater 5,19–21
„Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinigkeit, Ausschweifung; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Ehrgeiz, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Mord; Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, daß die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht ererben werden.“
Jakobus 2,14–18
„Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, dabei aber keine Werke hat? Kann ihn denn der Glaube retten? Wenn es einem Bruder oder einer Schwester an Kleidung und täglicher Nahrung gebricht und jemand von euch zu ihnen sagen würde: Gehet hin in Frieden, wärmet und sättiget euch, ihr gäbet ihnen aber nicht, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was hülfe ihnen das? So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot. Da wird aber jemand sagen: Du hast Glauben, ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke; ich aber will dir aus meinen Werken den Glauben zeigen!“
So werden wir alle nacheinander vor dem Richterstuhl Christi stehen, und dort werden unsere Taten offenbart werden. Nicht unser theologisches Wissen, unsere Bibelstudien oder die Verse, die wir auswendig gelernt haben. Diese Dinge spielen keine Rolle. Sie sind Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst. Ich lese die Bibel nicht, um sie nachzuplappern, sondern damit sie mir hilft, das christliche Leben besser zu leben. Schließlich hatten sogar die Pharisäer theologisches Wissen! Ebenso der Priester und der Levit, die in dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf den von Räubern zusammengeschlagenen und auf der Straße zum Sterben zurückgelassenen Reisenden stießen. Doch es nützte ihnen nichts. Anstatt ihrem halbtoten Mitmenschen Barmherzigkeit zu erweisen, gingen sie an ihm vorbei! Sie ließen ihn sterben! Nichts regte sich in ihnen! Und was machte es schon für einen Unterschied, dass sie Priester oder Leviten waren? Oder dass sie Opfer darbrachten? Oder dass sie den Zehnten von dem gaben, was sie hatten? Hier ist, was Christus zu ihnen sagte:
Matthäus 23,23
„Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr die Minze und den Anis und den Kümmel verzehntet und das Wichtigere im Gesetz vernachlässiget, nämlich das Gericht und das Erbarmen und den Glauben! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.“
Gerechtigkeit, BARMHERZIGKEIT und Glaube – das sind die gewichtigeren Dinge, die wichtigsten, damals wie heute. Sie sind beständig und unveränderlich. Und wieder sagt unser Herr:
Matthäus 9,13
„Gehet aber hin und lernet, was das sei: «Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer.» Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder.“
Und erneut im selben Evangelium, an dieselben Menschen gerichtet:
Matthäus 12,7
„Wenn ihr aber wüßtet, was das heißt: «Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer», so hättet ihr die Unschuldigen nicht verurteilt.“
Gott wünscht sich Barmherzigkeit. Und Barmherzigkeit – um auf Jakobus zurückzukommen – wird unsere Verteidigung beim Gericht sein. Wer Barmherzigkeit gezeigt hat, dem wird sie am Tag des Gerichts zugute kommen. Wie uns auch der Apostel Petrus in seinem ersten Brief sagt:
1. Petrus 4,8
„Vor allem aber habet gegeneinander nachhaltige Liebe; denn die Liebe deckt eine Menge von Sünden.“
Barmherzigkeit ist ein Ausdruck der Liebe. Man kann keine Barmherzigkeit walten lassen, wenn man nicht liebt. Und man kann nicht lieben, ohne barmherzig zu sein! Die Liebe deckt also eine Vielzahl von Sünden zu. Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht! Aber wenn es keine Barmherzigkeit gibt, dann wird auch das Gericht gnadenlos sein! Wie unser Herr uns noch einmal gesagt hat:
Matthäus 6,14–15
„Denn wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.“
Euch wird vergeben, wenn ihr vergebt. Wenn ihr Barmherzigkeit gezeigt habt, wird auch euch Barmherzigkeit erwiesen. Wir alle werden sterben, und danach kommt das Gericht. Wir werden alle vor Christus stehen, um unseren Lohn entsprechend unseren Taten zu empfangen. Und selbst wenn wir Unrecht getan haben – was absolut sicher ist –, aber unseren Mitmenschen Barmherzigkeit erwiesen haben, und selbst wenn wir viele Sünden begangen haben, aber Liebe in uns trugen, unserem Nächsten Barmherzigkeit erwiesen haben, nicht vorbeigegangen sind und den Verwundeten dem Tod überlassen haben, sondern seine Wunden verbunden, ihn aufgerichtet und ihm geholfen haben – dann werden diese Taten zu unseren Gunsten sprechen und unsere Fehler verdecken. Sie werden das Gericht auslöschen; sie werden es zunichte machen. In diesem Sinne verstehe ich Johannes 5,24:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“
Wer wird dem Gericht nicht gegenüberstehen? Derjenige, der das Wort Gottes hört und daran lediglich intellektuell, gedanklich „glaubt“, ohne es in die Tat umzusetzen? Nein! Das ist nicht der, den der Herr meint. Er hat dies deutlich gemacht:
Matthäus 7,21–27
„Nicht jeder, der zu mir sagt: «Herr, Herr», wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Taten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter! Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, ist einem klugen Manne zu vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde wehten und an dieses Haus stießen, fiel es nicht; denn es war auf den Felsen gegründet. Und ein jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Manne gleich sein, der sein Haus auf den Sand baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde wehten und an dieses Haus stießen, da fiel es, und sein Fall war groß.“
Es ist kein theoretischer, intellektueller „Glaube“, der uns das ewige Leben schenkt, sondern ein aktiver, lebendiger Glaube, der in die Tat umgesetzt wird – ein Glaube also, der den Willen Gottes TUT. Wer also wahrhaft glaubt, indem er Gottes Willen tut – und Liebe und Barmherzigkeit stehen im Mittelpunkt Seines Willens –, der wird kein Gericht erfahren. Für ihn wird die Barmherzigkeit an jenem Tag sein Ruhm sein, und das Gericht wird keine Macht über ihn haben. Theoretischer Glaube, der nur im Verstand existiert und nicht von Liebe und Barmherzigkeit begleitet wird, ist schlichtweg kein Glaube. Und für diejenigen, die keine Barmherzigkeit gezeigt haben, wird das Gericht ebenfalls ohne Barmherzigkeit sein! Machen wir uns diesbezüglich keine Illusionen.
Lasst uns also, meine Brüder und Schwestern, mit Barmherzigkeit und Liebe unseren Mitmenschen begegnen und jeden Tag als Gelegenheit betrachten, unser Konto im Himmel durch Einzahlungen von Barmherzigkeit und Liebe zu erhöhen. Denn wie unser Herr uns gesagt hat:
Matthäus 5,7
„Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!“